Volkslauf-Geschichte

Dieses Jahr (2017) hat zum 30. Mal in Finkenwerder der Volkslauf stattgefunden. Inzwischen gehört das Sport-Event schon selbstverständlich mit zum Sommer auf Finkenwerder. Doch wie es dazu kam, weiß kaum noch jemand.

Nicht wie zu vermuten vor 30 Jahren, sondern schon vor 34 Jahren, nämlich am 21. August 1983 fand der erste Volkslauf auf Finkenwerder statt. So lässt sich im Protokoll der Jahreshauptversammlung, die wie damals üblich im Finkenwärder Hof im Auedeich abgehalten wurde, der nüchterne Eintrag lesen: „Die Leichtathletik-Abteilung richtet einen Volkslauf aus, dem im offiziellen Terminkalender des DLV Terminschutz eingeräumt wurde.“
Heinrich von Cölln dagegen berichtet lebhaft davon, wie die ersten Ideen für ein Volkssport-Angebot damals mit Hinrich Woldmann ausdiskutiert wurden. Ein erster Versuch wurde mit einer Volksradtour vorgenommen. Zunächst wurde geplant, eine Tour bis in den Landkreis Stade offiziell anzumelden. Die Polizei allerdings forderte 220 DM für die Meldung. Also entschloss sich das Orga-Team kurzerhand, die Sperrung mit Hilfe der Amateurfunkergruppe von Airbus durchzuführen und das Geld zu sparen.
Der Aufwand war immens, und so kam es schließlich zu der Idee, einen Volkslauf zu organisieren. Hier war die Leichtathletik-Sparte bereits erfahren. Schon lange vor dem ersten großen Volkslauf gab es sparteninterne Läufe. Mit leuchtenden Augen berichtet die Leichtathletik-Gruppe von Maike Sommer, die immer freitags gemeinsam trainiert, wie schön das damals war. Es wurde von der Westerschule aus gestartet und der Lauf ging entlang der Süderelbe. Bei der Organisation eines richtigen Volkslaufs unterstützte der Volkslaufwart des Hamburger Sportbundes das Leichtathletik-Team, so hatte er doch viel Erfahrung mit Anmeldungen, Ummeldungen, Zieleinlauf und Streckensicherung.

Schließlich kam es tatsächlich im August 1983 durch das Engagement von Heinrich von Cölln, Inge Behrens und der Leichtathletik-Sparte zum ersten Volkslauf. Eine große Stütze bei der Umsetzung der Veranstaltung waren auch immer die Freiwillige Feuerwehr und die Deichwacht.
Im darauf folgenden Vereinsspiegel ist zu lesen, dass 220 Läufer teilgenommen haben und alles „gut über die Bühne“ gegangen sei. Der gute Anfang habe das Organisationsteam beflügelt, im nächsten Jahr wieder einen Volkslauf auszurichten.
Erst einige Monate später folgt ein weiterer Bericht im Vereinsspiegel, in welchem weitere Details berichtet werden. So steht dort beispielsweise geschrieben, dass die 37 Wanderer, eine Disziplin, die sich auch an dem Volkslauf beteiligte, im Durchschnitt für die 9-km-Strecke eineinhalb Stunden unterwegs waren. „Mit Ausnahme von 14 Amerikanern aus Berlin, die sich bei Tante Anna stärkten.“
Vier Jahre lang wurde der Volkslauf auf Finkenwerder durchgeführt. Über den fünften Volkslauf findet sich eine kurze Randnotiz, dass er wegen fehlender Helfer (Streckenposten) abgesagt wurde.
Nun folgten offensichtlich Jahre, in denen kein Volkslauf zustande kam.
Erst anlässlich der 100-Jahr-Feier des TuS Finkenwerder erwachte der Volkslauf zu neuem Leben. Seitdem gab es auf Finkenwerder kein Jahr ohne Volkslauf mehr.
Seit dieser Zeit beteiligte sich auch die Airbus-Betriebssportgruppe an der Organisation. Auch Herr Elling von der Betriebskrankenkasse war sofort begeistert von der Idee einer Kooperation zwischen dem TuS Finkenwerder und der Laufabteilung von Airbus. Ein solches Event fördere die Gesundheit der Betriebsmitarbeiter und wäre eine gute Möglichkeit die Nachbarschaft zur Bevölkerung auf Finkenwerder zu pflegen. Die Beteiligung der Flugzeugbauer am Insellauf sorgte für internationale Beteiligung. So finden sich in den Teilnehmerlisten Läufer aus Frankreich, England, Spanien, Mexiko und den USA. Durch die Unterstützung des Airbus-Konzerns ließ sich nun neben den bisherigen 5- und 10-km-Strecken auch ein Halbmarathon auf die Beine stellen.
Wie dem auch sei, die Anfänge waren sicherlich aufregend. Wenn sich heute die Organisatoren mit verschärften Sicherheitsbestimmungen und einem erhöhten Bürokratie-Aufwand herumschlagen müssen, gab es damals noch ganz andere Schwierigkeiten zu meistern.
So berichtet Heinrich von Cölln davon, wie ein Teil des Helfer-Teams am Tag des Laufes bereits um vier Uhr aus der Koje musste, um die Wegstrecken-Markierungen mit Sägespänen vorzunehmen.
Auch war es eine Herausforderung, die Zeiten der Läufer richtig zu messen und zu notieren. Mehrere Helfer drängelten sich an der Ziellinie. Die einen stoppten die Zeit mit ihren Uhren, während die anderen die passenden Startnummern notierten. Kamen mehrere Läufer gleichzeitig ins Ziel, war diese Aufgabe sicherlich eine Herausforderung.
Einmal wurde eine besondere Lösung für das Problem gefunden, herauszufinden, in welcher Reihenfolge die Läufer über die Ziellinie kamen. Jeder Läufer, so erzählt Christa von Cölln, bekam eine Karte mit der eigenen Startnummer. Wer die Ziellinie passiert hatte, musste seine Karte auf ein Nagelbrett aufspießen. Es war Aufgabe der Läufer die Reihenfolge zu beachten. Dieses kreative Verfahren wurde allerdings aus Angst vor möglichen Verletzungen nur einmal angewendet. Heute gehören solche Probleme dank der Transponder glücklicherweise der Geschichte an.
Bei der Kommunikation zwischen den verschiedenen Streckenposten waren die Amateurfunker damals eine große Hilfe. In Zeiten, in denen es noch keine Handys gab, wäre ein reibungsloser Ablauf sonst kaum zu schaffen gewesen.
Natürlich gab es auch gelegentlich Pannen. „Vergiss nicht zu schreiben, dass einmal vergessen wurde bei Airbus die Tore zu öffnen“, erwähnt Heinz Fock. Keiner erinnert sich genau, wie die Läufer damals das Problem gelöst haben. Es werden wohl einige drübergeklettert sein oder einen Umweg gelaufen haben, wird gemutmaßt. Derlei Fehler passieren und sind im Nachhinein eher Grund zu schmunzeln. In der Situation allerdings werden gerade die Spitzenläufer wenig Humor gehabt haben. So nutzen diese gerne solche Volksläufe, um sich auf wichtige Wettkämpfe vorzubereiten und zu versuchen, ihre Bestzeiten zu unterbieten. Da gab es ein anderes Mal auch Ärger wegen einer Ungenauigkeit bei der Streckenvermessung. Es dürften kaum 300 Meter gewesen sein, die versehentlich unterschlagen worden waren. Die Wut der Leistungssportler war trotzdem immens. So hatten einige doch vermutet, persönliche Rekorde gebrochen zu haben.
Die Masse der Läufer werden diese Meter wenig interessiert haben. Nicht Spitzensport soll im Fokus unseres Finkenwerder Insellaufes stehen, sondern jede Hobby-Läuferin und jeder Hobbyläufer soll mit Freude seine eigene Fitness auf die Probe stellen. Schon immer war es den Veranstaltern ein Anliegen, für eine echte Volkslaufatmosphäre zu sorgen. So ist gerade die Teilnahme der Jüngsten für das Publikum ein besonderes Vergnügen. Gefördert wird diese besonders seit der Einführung der 2-km-Strecke vor zwei Jahren.
Natürlich gehört auch die Volksfeststimmung auf dem Sportplatz Uhlenhoffweg mit zu dem Laufspektakel. Immer werden Getränke, Würstchen, belegte Brötchen und selbstgebackener Kuchen angeboten. Den Sportlern stehen Wasser und Bananen frei zur Verfügung. Ansonsten ist das Programm von Jahr zu Jahr sehr verschieden. Einige Jahre war es üblich, eine Tombola auszurichten. Die zu versteigernden Produkte waren von Betrieben des Gewerbevereins zur Verfügung gestellt worden. Einmal, berichtet Christa von Cölln, war eine Adidas-Badetasche nicht abgeholt worden. Diese liegt nach wie vor zur Abholung bereit auf ihrem Dachboden. Es gab auch Jahre, in denen die Läufer von einer Samba-Band empfangen wurden.
Ein ganz besonderes Jahr für den Insellauf war das Jahr 2008. In diesem Jahr wurde der Volkslauf zu einem Spendenlauf. Es wurde auf dem Sportplatz Uhlenhoffweg ein Staffellauf mit Vertretern der Finkenwerder Vereine und anderer Institutionen zu einem guten Zweck organisiert. Pro Mannschaft wurde das Startgeld von 40 € dem Bone Cancer Research Trust gespendet. Diese Organisation förderte und finanzierte die Erforschung von Primärkrebs, insbesondere des Osteosarkoms. An diesem Tumor erkranken jährlich rund 400 junge Menschen. Emily Blunt, Tochter eines Airbus-Mitarbeiters, war an eben diesem Tumor erkrankt. Ihr Vater sah es als seine Aufgabe, Gelder zur Erforschung der Krankheit zu mobilisieren und vor allem auch ein Bewusstsein in der Bevölkerung zu wecken. Mit diesem Anliegen wendete er sich an die Pastorin der St. Nikolai-Kirche Anja Blös, die sich wiederum mit Michael König vom TuS Finkenwerder in Verbindung setzte.
Auf Finkenwerder gelang es, eine Rekordzahl an Teilnehmern zu mobilisieren und die Staffel mit viel Humor und wenig Ehrgeiz zu meistern. Die Staffelstäbe entsprachen den Gewerken, aus welchen die Mannschaften stammten, und manch ein Läufer erschien sogar vollends verkleidet zum Wettkampf. So startete beispielsweise Rainer Külper trotz schwül-heißen Wetters im Talar.
Der Volkslauf hat sein Angebot immer mal wieder leicht abgewandelt und dem aktuellen Fitness-Trend angepasst. Im Jahr 2002 steht im „Neuen Ruf“ beispielsweise, dass Inliner fester Bestandteil des TuS-Volkslaufes waren.
Dieser Trend ist abgeebbt, und das Angebot steht nicht mehr, dafür gehören inzwischen die Finkenwalker zum Programm.
Wie unschwer zu lesen ist, gehört unser Insellauf inzwischen zu Finkenwerder. Umso dringlicher der Aufruf um Unterstützung und Übernahme der Organisation. Seit 20 Jahren organisiert Michael König für Finkenwerder unseren Lauf. An dieser Stelle ein besonderer Dank an ihn. Genug ist genug, sagt er nun … zu Recht.
Wer bereit ist, sich zu engagieren, damit der Volkslauf weiter zur Finkenwerder Tradition gehören kann, melde sich bitte bei der Geschäftsstelle des TuS Finkenwerder!
Melanie Sandrock

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