Manch einer mag es verrückt nennen 24 Stunden mit dem Rennrad über den Nürburgring zu fahren, ganz unrecht hat er wahrscheinlich nicht.

Am Freitag, den 20. August 2010 machte ich mich mit Till zusammen auf den Weg zum Nürburgring. Kurz vor sieben kamen wir an, holten unsere Startunterlagen ab und stellten uns mit dem Auto in die Schlage um ins Fahrerlager zu kommen. Und da standen wir dann erst mal. Und standen und standen.
Glücklicherweise war die Pastaparty ganz in der Nähe und wir waren mit Essen versorgt. Um neun kamen wir endlich aufs Gelände. Über den Formel 1-Kurs ging es ins Fahrerlager, wo wir unser Zelt aufschlugen. Keine starken Verbraucher an die Steckdosen anschließen, hatte es auf der Homepage geheißen. Das Viererteam neben uns hatte Scheinwerfer, Lichterketten, eine Kochplatte und sogar einen Kühlschrank. Nachdem wir von unseren Nachbarn noch gegrillte Würstchen bekommen hatten, legten wir uns um
Mitternacht schlafen.
Nach siebeneinhalb Stunden nicht gerade gutem Schlaf standen wir wieder auf. Jetzt war Till an der Reihe. Fünf vor neun stand er am Start zum Nürburgringlauf. In 18:31 Minuten wurde er auf dem etwas über 5 Kilometer langem Grand Prix Kurs vierter und Sieger seiner Altersklasse. Vier Stunden später um 13:15 Uhr war mein Start. In den nächsten 24 Stunden würde ich so oft wie möglich über die Nordschleife fahren. 25,8 Kilometer, 500 Höhenmeter pro Runde und an der „Hohen Acht“ eine Spitzensteigung von 17 Prozent.
Die ersten Runden fuhr ich ohne Pause durch. Ausgerechnet der längste Anstieg der Strecke lag in der prallen Sonne. Till reichte mir immer neu gefüllte Flaschen und so konnte ich der Hitze trotzen. Nach fünf Runden gönnte ich mir die erste Pause um ausgiebig zu essen. Nach der achten Runde baute ich das Licht ans Rad an und auf der neunten Runde wurde es dann ziemlich schnell dunkel. Bis um zwei Uhr nachts versorgte mich Till mit Cola. Dann legte er sich schlafen. Um vier wurde die Müdigkeit am schlimmsten. Mit so viel Cola wie mein Magen vertrug hielt ich mich wach. Eine Stunden später mit der Morgendämmerung legte sich die Müdigkeit wieder.
Um Sieben weckte ich Till mit der Bitte, ober er während ich aß versuchen könnte, meine Brille zu putzen. In der „Fuchsröhre“, dem schnellsten Stück der Strecke, ist es als Fliege keine gute Idee einem 90 km/h schnellen Radfahrer in den Weg zu fliegen. Ebenfalls eine schlechte Idee ist es zu versuchen den Dreck einfach nur abzuwischen.
Mittlerweile war ich 17 Runden gefahren. Die nächsten beiden Runden ging es mir sehr gut und ich fuhr sie ohne Pause durch. Dann aber ging es wieder bergab. Ich bekam Probleme mit meinem Knie und das Sitzen auf dem Sattel wurde auch zunehmend schmerzhafter, ganz zu schweigen von meiner nun doch erheblich abnehmender Motivation. Obwohl das Ende in Sicht war, fiel es mir immer schwerer mich nach den kurzen Pausen wieder aufzuraffen. 
Die letzte Runde ließ ich ganz entspannt an gehen, sofern das Streckenprofil es zu ließ. Ich machte noch einmal Pause an der Verpflegungstelle an der Hohen Acht und fuhr dann gemütlich ins Ziel, wo mich Freude und Erleichterung überkamen. Ich hatte ein 24-Stundenrennen durchgehalten. 22 Runden, 565 Kilometer und 11500 Höhenmeter hatte ich zurückgelegt und war damit zwölfter von fast 400 Einzelfahrern und dritter in meiner Altersklasse geworden.
Im Ziel hatte ich einen riesen Heißhunger auf Fastfood, den ich nach dem Duschen mit Pizza, Currywurst und Pommes stillen konnte, während wir auf die Siegerehrung warteten. Nach der Siegerehrung fuhr Till uns nach Hause, während ich mich nach 34 Stunden ohne Schlaf ins Land der Träume verabschiedete.
Jan-Hinrich Klindworth


