Vattenfall Cyclassics 2010

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Jan-Hinrich Klindworth wird über 155km fünfter, Altersklassensieger und bester Hamburger.

Am Sonntag, den 15. August 2010 stand ich um 7:55 Uhr im Block A am Start der 15. Vattenfall Cyclassics. 155 Kilometer und eine Tag, den ich so schnell nicht vergessen werde, lagen vor mir. Die ersten 50 Kilometer verliefen ruhig. Dann hatten uns die ersten schneller fahrenden 100km-Fahrer, die kurz nach uns im Block B gestartet waren, eingeholt und brachten Hektik ins Feld. Bei den Überholmanövern, die manch ein Verrückter, anders kann man Sie nicht nennen, an den Tag legte, waren Stürze unvermeidbar.

So kam es auch. Fünf bis sieben Stürze dürfen es auf der gesamten Strecke gewesen sein, die in meiner Nähe passierten. In manchen Situationen wurde aus Radsport auf einmal eine Vollkontaktsportart und nur mit Glück entging ich einigen brenzligen Situationen.

 

120 Kilometer lang hielt ich mich mitten im Feld auf. Dann begann ich mich langsam nach vorne zu orientieren. Ich wusste dass der Kösterberg demnächst kommen musste und für den Fall, dass das Feld dort auseinander reißen würde, wollte ich nicht in einer hinteren Gruppe sein. Es ließ zwar kaum einer abreißen, aber der Kösterberg sorgte dennoch dafür, dass sich das Feld komplett neu sortierte. So kam es, dass ich, Training in den Alpen sei Dank, kurz vor Teufelsbrück fast ganz vorne im Feld fuhr.

 

Kurz hinter der 10-Kilometer-Marke im Anstieg die Elbchaussee hinauf wurde mir das Tempo im Feld deutlich zu langsam. Ich beschloss, nicht wie die meisten hinten im Feld über das langsame Tempo zu meckern sondern selber für Tempo zu sorgen. Ohne aus dem Sattel zu gehen zog ich an und setzte mich an die Spitze. Als ich am Ende der Steigung aus der Führungsarbeit raus gehen wollte und mich nach hinten umsah, konnte ich meinen Augen kaum glauben: Ich hatte zwischen mir und dem Feld ein Loch gerissen! Lediglich ein Fahrer war an meinem Hinterrad und der sagte nur: „Schneller, schneller!“ Obwohl ich wusste, dass es eigentlich aussichtslos ist 10 Kilometer vor dem Ziel zu versuchen alleine einem um die 100 Fahrer großen Feld davonzufahren, gab ich Gas und der Abstand wurde größer.
Auf der Reeperbahn brach ich ein und musste meinen Begleiter ziehen lassen. Er hatte sich kaum an der Führungsarbeit beteiligt. Als ich aber an der vorletzten Kurve das Feld hinter mir immer noch nicht sehen konnte, nahm ich noch einmal alles zusammen.

Die letzte Kurve. Alleine biege ich auf die Mönckebergstraße ein. Der Lärm der Zuschauer ist ohrenbetäubend. Wahnsinn. Warum muss die Zielgerade ansteigend sein? Die Ziellinie kommt immer näher. Auf einmal zieht einer von hinten an mir vorbei. Ich sehe ihn Jubeln, kurz bevor ich selbst über den Zielstrich fahre. Egal. Ich habe es geschafft. 10 Kilometer lang bin ich dem Feld, das jetzt links und rechts neben mir durch den Zielkanal fährt, gerade so davon gefahren.
Am Ende bin ich Altersklassensieger, bester Hamburger und fünfter in der Gesamtwertung, ich hatte nicht mitbekommen, dass vorher schon zwei andere Fahrer angegriffen hatten.

Was für ein unglaublicher Rennverlauf. Was für ein unglaubliches Gefühl sein eigenes Begleitmotorrad zu haben und zu wissen, dass die Zuschauer gerade nur einem selbst zu jubeln. Nie im Leben hätte ich vorher damit gerechnet.

Jan-Hinrich Klindworth
 

 

 


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